Lektion 1.3 – Grammatik im Text – Überblick & Beispiele
1. Nominalisierung von Verben
Unter Nominalisierung versteht man die Umwandlung eines Verbs (oder Adjektivs) in ein Substantiv. In der Fachsprache – besonders in der Wirtschaft – werden viele Verben durch Nominalisierungen ersetzt, um präzise, objektiv und kompakt zu formulieren. Dadurch entstehen oft typische Wendungen wie:
- die Entscheidung treffen statt entscheiden
- zur Anwendung kommen statt anwenden
- die Durchführung einer Analyse statt etwas analysieren
Diese Strukturen wirken professioneller, formeller und neutraler – was in Berichten, wissenschaftlichen Texten oder Geschäftsbriefen wichtig ist.
Beispiele aus der Wirtschaftssprache:
| Verb (Infinitiv) | Nominalisierung | Beispielsatz |
|---|---|---|
| entscheiden | die Entscheidung | Die Entscheidung über die Investition fällt nächste Woche. |
| analysieren | die Analyse | Die Analyse der Marktdaten zeigt einen Rückgang der Nachfrage. |
| investieren | die Investition | Die Investition in neue Maschinen hat sich gelohnt. |
| handeln | das Handeln | Wirtschaftliches Handeln erfordert eine gute Planung. |
| planen | die Planung | Die Planung des Projekts ist abgeschlossen. |
| sparen | das Sparen | Das Sparen von Ressourcen ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll. |
| produzieren | die Produktion | Die Produktion wurde im letzten Quartal gesteigert. |
| wirtschaften | das Wirtschaften | Nachhaltiges Wirtschaften ist ein zentrales Thema. |
Typische Strukturen:
durch + Substantiv:
Durch die Einführung neuer Prozesse konnte die Effizienz gesteigert werden.
bei + Substantiv:
Bei der Planung des Budgets wurden alle Abteilungen einbezogen.
zur/zum + Substantiv:
Zur Verbesserung der Produktqualität werden externe Berater hinzugezogen.
Nominalisierungen im Kontext: „Was ist Wirtschaft?“
Im Text kommen viele solcher Strukturen vor, z. B.:
- wirtschaftliches Handeln (statt wirtschaftlich handeln)
- die Bedürfnisbefriedigung (statt Bedürfnisse befriedigen)
- die Entscheidungsfindung (statt entscheiden)
- die Spezialisierung auf Teilbereiche (statt sich spezialisieren)
- die Steuerung der Wirtschaft (statt die Wirtschaft steuern)
2. Temporalsätze mit wenn / als / sobald
Ein Temporalsatz beschreibt, wann etwas geschieht. In der Wirtschafts- und Fachsprache hilft er, Ursache-Folge-Beziehungen zeitlich klar zu kennzeichnen – etwa Preisreaktionen auf Nachfrageschwankungen oder Unternehmensentscheidungen nach Marktveränderungen.
Beispiele aus der Wirtschaftssprache:
wenn (wiederholt, allgemein, Gegenwart/Zukunft):
„Wenn die Nachfrage steigt, erhöht sich der Preis.“
als (einmaliges Ereignis in der Vergangenheit):
„Als die Zentralbank 2014 den Leitzins senkte, gewann der Immobilienmarkt deutlich an Dynamik.“
sobald (unmittelbare Folge):
„Sobald die Bilanz geprüft ist, veröffentlicht das Unternehmen seine Dividendenprognose.“
Typische Strukturen:
| Signalwort | Funktion | Strukturbeispiel |
|---|---|---|
| wenn | wiederholte/zeitlose oder zukünftige Bedingung | Wenn Ressourceneinsatz effizient ist, sinken die Produktionskosten. |
| als | einmaliger Vorgang in der Vergangenheit | Als das Start-up an die Börse ging, stieg der Aktienkurs sprunghaft. |
| sobald | unmittelbare zeitliche Abfolge | Sobald der Vertrag unterzeichnet ist, beginnt die Projektphase. |
Temporalsätze im Kontext: „Was ist Wirtschaft?“
„Wenn Ressourcen knapp sind, müssen Menschen wirtschaften, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.“
„Sobald die Nachfrage steigt, erhöht sich in der Regel der Preis, solange das Angebot konstant bleibt.“
„Wenn Haushalte sich zwischen Konsum und Sparen entscheiden, beeinflussen sie direkt die Kapitalverfügbarkeit im Wirtschaftskreislauf.“
„Als die Digitalisierung neue Geschäftsmodelle ermöglichte, wurden traditionelle Branchen gezwungen, ihre Prozesse zu modernisieren.“
3. Finalsätze mit um … zu / damit
Ein Finalsatz beschreibt den Zweck oder das Ziel einer Handlung. In wirtschaftlichen Texten macht er deutlich, warum Unternehmen, Haushalte oder politische Akteure bestimmte Entscheidungen treffen – z. B. Investitionen tätigen, Preise ändern oder Prozesse optimieren. Die Fachsprache nutzt Finalsätze, um Motive präzise zu benennen und Kausalzusammenhänge knapp darzustellen.
Beispiele aus der Wirtschaftssprache:
um … zu (identisches Subjekt):
„Das Start-up erhöht das Marketingbudget, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern.“
damit (unterschiedliche Subjekte):
„Die Regierung senkt Steuern, damit Unternehmen mehr investieren.“
Typische Strukturen:
| Struktur | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| um … zu + Infinitiv | gleiches Subjekt im Haupt- und Nebensatz | Unternehmen digitalisieren Prozesse, um Kosten zu senken. |
| damit + Verb am Ende | unterschiedliches Subjekt | Der Konzern investiert in Forschung, damit seine Produkte wettbewerbsfähig bleiben. |
| Nominalstil (formell) | schriftsprachliche Alternative | Zwecks Effizienzsteigerung werden Arbeitsabläufe automatisiert. |
Finalsätze im Kontext: „Was ist Wirtschaft?“
„Viele Studierende entscheiden sich für BWL, um später flexibel in verschiedenen Unternehmensbereichen arbeiten zu können.“
„Die Volkswirtschaftslehre versucht, mit Hilfe theoretischer Modelle und quantitativer Methoden zu erklären, wie Märkte funktionieren.“
„Die BWL entwickelt Controlling-Instrumente, um betriebliche Abläufe messbar zu machen.“
„Das Ministerium veröffentlicht Konjunkturprognosen, damit Unternehmen ihre Investitionspläne anpassen können.“